STOLPERSTEINE und FRENKEL-HAUS

in Lemgo e.V.

GUNTER DEMNIG VERLEGT STOLPERSTEINE

FÜR FRITZ SCHNÜLLE UND PAUL SCHMIDT

16. Juni 2017

Am Freitag, 16. Juni 2017, verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig zwei weitere Stolpersteine in Lemgo. An der Anschrift Detmolder Weg 105 ein Stolperstein für Fritz Schnülle und für Paul Schmidt an der Anschrift Wittenbrede 1.






Paul Schmidt wird am 28. Juli 1895 in Hörstmar geboren. Im Dezember 1925 heiratet er Johanne Noltekuhlmann. Beide haben zusammen zwei Kinder, Günther 1928 geboren und Leo 1934 geboren. Paul Schmidt, Arbeiter und SPD-Anhänger, wird wegen „staatsabträglicher Äußerungen“ nach Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes von der Polizei am 9. September 1933 festgenommen, nachdem er geäußert hatte, „jetzt haben sie Adolf Hitler. Jetzt haben sie ihn auf den Knien. Jetzt muss er sich Hilfe holen und kleine Brötchen backen.“  Diese Äußerungen sind dokumentiert in einem Bericht der Gestapo Bielefeld. Am 28. September 1939 wird er dem Konzentrationslager Sachsenhausen zugeführt. Am 12. April 1942  wird Paul Schmidt im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet.




Fritz Schnülle wird am 15. Oktober 1911 im Lemgoer Ortsteil Brake (Lippe) geboren. Im Oktober 1933 heiratet er Margarete Wesemann in Hörstmar. Sie bekommen zwei Kinder: Helga und Friedhelm. Fritz Schnülle wird zum Wehrdienst eingezogen und im zweiten Weltkrieg als Sanitätssoldat eingesetzt. Er gilt als fromm und die Kriegserlebnisse beeindrucken ihn so, dass er seelisch nicht damit fertig wird. Als er sich entschließt zu fliehen, ist er in Frankreich eingesetzt. Von dort aus flieht er in seine Heimatstadt Lemgo, wo er sich in der näheren Umgebung versteckt hält. Auch Verwandte in Schwelentrup unterstützten ihn. In Trophagen, einem früheren Wohnort, trifft er sich mit seiner Frau. Im Haus der Familie, Detmolder Weg 105, sind zu dieser Zeit Soldaten untergebracht. Fritz Schnülle schleicht sich am 01.03.1945 im Garten der Nachbarn an und wird dabei von den Soldaten entdeckt. Als er die Soldaten bemerkt, versucht er zu fliehen, wird aber angeschossen. Weil Fritz Schnülle fahnenflüchtig ist, kommt kein Krankenwagen. Seine Schwester fährt ihn auf einem Handkarren in Richtung a. Auf der Fahrt dorthin stirbt er an den Schussverletzungen. Anschließend dürfen die Kinder nicht in die Schule gehen, die Familie wird von Nachbarn ausgegrenzt. Das Leben der Familie ist bis zum Ende des Krieges von der Angst überschattet, „abgeholt“ zu werden.